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Naturkork - ein außergewöhnliches Produkt
     

Anfang April 2008 hatten wir die Gelegenheit, unseren Korkproduzenten, die Firma J. Tavares, Lda. in Portugal zu besuchen, um uns einen persönlichen Eindruck der Produktion unserer Korken zu machen.

Firma J. Tavares hat ihren Sitz in der Nähe der nordportugisischen Großstadt Porto (der Hauptstadt des berühmten Portweins).

Kork ist ein wahrlich außergewöhnliches Naturprodukt mit vielen hervorragenden Eigenschaften: Kork wird im heissen, mediterranen Klima Südportugals aus der Rinde der Korkeiche gewonnen. Diese Korkrinde schützt den Baum vor Waldbränden und vor dem Austrocknen.

Erst 25 (!) Jahre nach dem Pflanzen einer Korkeiche kann die Rinde das erste Mal abgeschält werden - sie ist für die Herstellung von Korken jedoch ungeeignet. Jeweils nach 9 Jahren, werden die Eichen wieder geerntet.

Die Rinden werden in den Korkeich-Wäldern für mindestens 6 Monate getrocknet bevor sie dann von den Korkfabrikanten Nordportugals gekauft werden.

Hierbei vertrauen die Korkfabrikanten ihren seit Jahren bekannten Korkeichenzüchtern. Es gibt in Portugal ca. 670.000 Hektar Kork-Eichenwaldfläche.

Die unsortierten Rinden werden dann in der Korkfabrik im offen Hof weitere Monate gelagert und weiter getrocknet.

Nun ist es an der Zeit, die Rinden zu kochen: hierzu wird reines Brunnenwasser (nicht gechlort) verwendet - die Rinden werden 2-mal gekocht und somit gereinigt.

Wie man gut sehen kann, sind die Rinden nun flach für die Weiterverarbeitung. Die Rinden werden nun schon nach ihrer Qualität sortiert und gestapelt.

Firma J. Tavares verfügt über ihr eigenes Labor, das jeden einzelnen Produktionsschritt nach internationalen Normen überwacht.

 

Die sensorische Analyse für sämtliche Korkchargen erfolgt durch geschultes Fachpersonal mit langjähriger Erfahrung: hier sehen Sie die Laborantin Helena an Ihrem Arbeitsplatz.

Im Labor wird der Korkdurchmesser kontrolliert: da die Korken aus der noch feuchten Rinde ausgestanzt werden, verringert sich ihr Durchmesser nach dem Trocknen.


An diesem Arbeitsplatz wird die Kraft gemessen, die benötigt wird, um einen Korken aus einer Flasche zu ziehen: entscheidend dafür ist die Kompaktheit (Dichte) des Korkens, aber natürlich besonders die Dicke der Paraffinschicht.

Im nun folgenden Fertigungsprozess werden die Rindenstücke manuell in Streifen geschnitten und anschließend werden, ebenfalls rein manuell, die Korkrohlinge ausgestanzt.


Dabei darf die Rinde jedoch nicht trocken sein, da sie sonst brechen würde. Ein maschinelles Ausstanzen der Korken würde nicht die selben Qualitäten erbringen wie der manuelle Prozess. Nur langjährige Erfahrung erlauben es den Arbeitern die Korken an den besten Stellen der Rinde auszustanzen.

Der Vertriebsleiter, Herr Filipe Brandão, der mit seiner Fachkompetenz alle Arbeitsprozesse erklärte, zeigt hier die ausgestanzten Rindenstücke, die selbstverständlich noch weiter verwendet werden (gemahlen für Korkböden etc.).


Wie man auf dem nachstehenden Foto gut erkennen kann, werden die Korken hauptsächlich an der Bauminnenseite ausgestanzt, da die Rindenaussenseite stark zerfurcht ist und viele Risse aufweist. Die Linien, die Sie auf oben und unten auf den Korken sehen, stehen jeweils für ein Jahr des Wachstums der Rinde.


Anschließend werden die Korken getrocknet und sehr sorgfältig von Hand nach festgelegten Kriterien sortiert: Korken mit Grünholz, Wurmfrass oder fehlerhaften Löchern reduzieren die Qualität und werden zum Teil ganz aussortiert.
Im nächsten Arbeitsgang werden die Korken an allen Flächen glatt geschliffen.

Die Kreisskala zeigt die vielen Segmente für die unterschiedlichen Ergebnisse der sensorischen Prüfung: die 5 rot markierten Segmente (oben links) bezeichnen die inakzeptablen 5 verschiedenen Geschmackseindrücke, die Sie als Korkgeschmack kennen!

Im vorletzten Arbeitsgang werden die Korken nun für jeden Winzer bedruckt. Die Korken erhalten abschließend noch eine Paraffinschicht, damit Sie als Kunde leichter entkorken können.

 

 

 

 

Firma J. Tavares LDA in Santa Maria de Lamas, Portugal

In den letzten Jahren wurde in den Korkfabriken generell die Qualität bei der Produktion erheblich verbessert. Sicherlich ist durch den ständig wachsenden Marktanteil der Kunststoff- und Glaskorken, sowie der Schraubverschlüsse, aber auch der Druck der Verbraucher (sowohl Sie als Kunde aber auch wir als Winzer) ausschlaggebend gewesen, dass die Korkhersteller ihre Qualitätskontrollen deutlich verbessert haben.

In der nachfolgenden Tabelle haben wir für Sie die 6 üblichen Qualitätsstufen für Naturkorken zusammengestellt: in Abhängigkeit von der Länge der Korken finden Sie die Kosten in Prozent, wobei die höchste Qualität (Fleur) mit 100 % angesetzt wurde.

Für die Abfüllung unserer Weine des Jahrgangs 2007 verwenden wir nur noch ausschliesslich Korken mit 49 mm Länge in den Qualitäten Fleur und Extra: diese beiden höchsten Qualitäten werden durch mehrere manuelle Auslesegänge ermittelt und stellen nur den kleinsten Teil der Korkprodution dar (daher sind sie auch wesentlich teurer).

Die Korken werden im nächsten Arbeitsgang mit verdünntem Wasserstoff-Peroxid (H2O2) gewaschen und dabei vollkommen gereinigt und desinfiziert. Korken, die für unsere Weine zum Einsatz kommen, werden dabei in der höchsten Qualität „Natur Clean“ sehr schonend gewaschen, damit sie ihre natürliche Färbung behalten.


Anschließend werden die Korken nun in einem Spezialofen getrocknet.
Da wir nur Korken der Qualitäten Extra und Fleur einsetzen, muss die Korkoberfläche nicht weiter behandelt werden. Bei Korken einfacherer Qualitäten werden die Löcher in der Oberfläche durch Auffüllen mit Korkmehl (Colmattieren) geschlossen.


Hier sehen Sie einen der Sortiertische: in mehreren Schritten werden die Korken in die verschiedenen Qualitätsgruppen sortiert.
Die Dichte der Korken ist ein Qualitätsmerkmal, das z.B. durch Wiegen der einzelnen Sortierungen überwacht werden kann.

Warum verwenden wir für unsere Weine des Rittersberg nur die besten Korkqualitäten?

Das Weingut Jean-Paul Schmitt baut seine Reben auf reinen Granitböden an: diese verleihen unseren Weinen die typische, mineralische Struktur, die sich jedoch erst nach 2-5 Jahren Lagerung vollständig ausbildet. Eben diese Mineralität unserer Weine erlaubt eine hohe Integration des Restzuckers. Die bei unseren Weinen üblichen signifikanten Weinsäurewerte sorgen für die perfekte Eleganz und Fruchtigkeit: eben Terroir-Weine wie Sie sie nur im Elsass finden.

Alle unsere Weine werden sehr naturnah ausgebaut: 2007 haben wir die ersten Trauben aus der Umstellung auf biologischem Anbau geerntet. Alle Trauben werden ausschließlich von Hand gelesen und innerhalb weniger Stunden sofort bei uns gepresst.
Unser Durchschnittsertrag liegt bei sehr niedrigen 45 Hektoliter pro Hektar (normalerweise 82 Hl/Ha im Elsass - bzw. bei 60 Hl/Ha für die Grand Cru Lagen). Die Qualität unserer Weine wird ausschließlich durch die Qualität unserer (oft manuellen) Arbeit im Weinberg erzielt: der Kellerausbau erfolgt sehr schonend durch Reduzierung der Gärtemperaturen und durch den Einsatz von modernen Tagentialfilteranlagen (anstatt Plattenfiltern).

Somit ist es nicht verwunderlich, dass unser Pinot Gris Rittersberg Sélection de Grains Nobles 2001 erst im Jahre 2007 den Wettbewerb der besten Grauburgunder der Welt mit 99 von 100 möglichen Punkten gewonnen hat. Unsere Weine benötigen Zeit zum Reifen.

Nur der Naturkork von höchster Qualität ist ein Garant für eine sehr lange Lagerfähigkeit unserer Weine! Alle alternativen Verschlusstechniken - wie der Kunststoff- oder der Glaskork und auch der Schraubverschluss - gewähren eine maximale Lagerfähigkeit von 2 Jahren, die für unsere Weine nicht ausreichend ist.

Davon abgesehen: für uns persönlich ist es bei Topp-Weinen immer ein großes Vergnügen einen Naturkork aus der Flasche zu ziehen.

Wir sind stolz auf unsere Weine - viele unserer Weine Rittersberg Réserve Personnelle kommen erst nach 2 - 4 Jahren in den Verkauf, ebenso natürlich auch die Vendanges Tardives und Sélection de Grains Nobles-Weine.

Wir sind aber auch sehr froh, dass wir mit Partnern, wie der Korkhersteller J. Tavares, zusammenarbeiten dürfen, die mit sehr viel Hingabe und Qualitätsbewusstsein arbeiten.


Wenn Sie noch weitergehende Fragen zu diesem Thema haben, dann freuen wir uns über Ihre Mail: wir stehen Ihnen, aber auch unser Lieferant, jederzeit gerne zur Verfügung.

Oder besuchen Sie die Homepage von Fa. J. Tavares, Lda: www.jtavarescork.com

Fotos: © Bernd Koppenhöfer / Fa. J. Tavares, Lda

 
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© aktualisiert von Bernd Koppenhöfer 16.4.2008

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